Ein paar Zeilen zum Thema „Musikwünsche“

Wie manche wissen, lege ich gelegentlich auf Parties oder anderen Events auf. Ich bin quasi DJ. Und da erlebt man auch so einiges. Hier nun ein paar Zeilen zum Thema „Musikwünsche“.
Als DJ sehe ich meine Aufgabe darin, das Publikum zu analysieren und mir zu überlegen, welche Musik es gerade hören möchte. Zusätzlich möchte ich keine Neigungsgruppe überverhältnismäßig bevor- oder benachteiligen.
Grundsätzlich sind Liedwünsche daher in erster Linie Feedback – und damit echt eine Hilfe, um rauszufinden, wie ich mit meiner Musikauswahl so unterwegs bin. Und wenn ein Wunsch halbwegs respektvoll und anständig geäußert wird, versuch ich auch mein Bestes, diesen zu erfüllen.

Da gibt es jetzt verschiedene Szenarien

  1. Der Song passt zum aktuellen Genre, ich kenne und hab ihn auch
    Der Titel kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit als nächstes dran, sofern keine anderen, ebenfalls passenden Wünsche vorher bei mir eingetroffen sind.
  2. Der Song ist lässig, ich hab ihn, er passt aber NICHT zum aktuellen Genre
    Es wird wohl etwas dauern; ich tu‘, was ich kann, um dein Lied zu spielen. Bitte bleib‘ geduldig. Du wirst verstehen, dass es das Publikum eher irritiert, wenn nach YMCA der ärgste, rotzigste Hardcore dröhnt und danach die Vengaboys nach Ibiza fliegen. Es ist mein Job dafür zu sorgen, dass so etwas nicht passiert.
  3. Der Song ist sehr nischig und/oder passt nicht zum Publikum, ich hätte ihn aber
    Hier wird das wohl noch länger dauern. Es ist gut möglich, dass ich diesem Wunsch nicht nachkommen kann. So gerne du und ich beispielsweise Parkway Drive mögen, aber den durchschnittlichen Hochzeitsgast wird das überfordern.
  4. Du bist der Veranstalter
    Na klar spiel‘ ich dein Lied.

Neben diesen vier Fällen, gibt’s auch eine Reihe von „Don’ts“ im Zusammenhang mit Musikwünschen, die wahrscheinlich nicht dazu führen werden, dass ich deinen (oder irgendeinen) Song spiele:

  1. „Spiel mal was Leiwandes!“/“Spiel was zum Tanzen!“
    Es tut mir leid, ich habe „was Leiwandes“ nicht verstanden. Woher soll ich wissen, was für dich leiwand ist? Woher soll ich wissen, wozu du gerne tanzt? Das sind eigentlich keine Musikwünsche; damit kann ich leider nichts anfangen.
  2. „Alle wollen dieses Lied hören!“
    Ich glaube nicht, dass du alle Gäste gefragt hast, ob sie Helene Fischer (ihre Musik), oder was auch immer, geil finden.
  3. „Kannst du das neue von… hach… mir fällts nicht ein… Na weißt eh!“
    Nein, ich weiß es wirklich nicht – sorry!
  4. „Kann ich mein Handy kurz für ein Lied anstecken?!“/“Kannst du was von YouTube spielen“ (begleitet von Handy in mein Gesicht halten)/“Hast du da AUX?!“ etc.
    Die Antwort lautet: Nein.
  5. „Spiel‘ das SOFORT!!!“/“Du musst das spielen!!!“
    Du hast wohl den Unterschied zwischen einem Wunsch und einem Befehl nicht verstanden.  Da du offensichtlich Punkt 4 der obigen Liste nicht erfüllst und zudem über keinerlei Manieren verfügst (was seltsamerweise auch oft mit einem miesen Musikgeschmack einhergeht), werde ich deinen „Wünschen“ im Verlauf des Abends eher wenig Aufmerksamkeit schenken. Don’t be that guy.

Das war’s im Großen und Ganzen eigentlich.

Das Wichtigste ist eigentlich: Sei kein Arsch.

Warum man versuchen sollte, Diskussionen zu verlieren

„Das ist ein guter Punkt. So hab‘ ich das noch nicht gesehen, du hast vielleicht recht.“ Schon mal so etwas, oder so ähnliches, in einer hitzigen Diskussion gesagt? Und das nicht nur deswegen, weil das einfache „Recht-geben“ ein bequemer Weg ist, diese Auseinandersetzung zu beenden, um damit vielleicht einer Beziehung nicht zu schaden? Gratulation. Du verfügst womöglich über einen äußerst raren Charakterzug, der heutzutage wahrscheinlich wichtiger ist, denn je. 

Ziemlich sicher hat sich jeder schon einmal in einer Diskussion wiedergefunden, in der das Gegenüber die objektiv besseren Argumente hatte, oder einem selbst zumindest – just in dieser Situation – keine besseren eingefallen sind. Ein unangenehmes Gefühl- Besonders, wenn man das Gegenüber schätzt. Unangenehm ist das nicht allein deshalb, weil man dabei ist, ein Streitgespräch „zu verlieren“. Auch, und vor allem deswegen, weil die Meinung des Quasi-Kontrahenten dem eigenen Weltbild möglicherweise krass diametral entgegensteht, kann der Ausgang einer derartigen Diskussion eine schmerzhafte Erfahrung sein. Schuld an dieser schweren Erkenntnis ist nicht zuletzt der sogenannte Confirmation Bias, der eine vorher gefasste Meinung oder gewisse Weltsicht erst zu dem werden hat lassen, die sie ist.

Oftmals bewundern Menschen andere Personen, „die zu ihrem Standpunkt stehen“ oder „sich einfach treu blieben“. Die Frage ist nur, wer braucht die größere Courage? Der, der auf seiner Einstellung beharrt? Oder der, der seine Meinung ändert, wenn er merkt, dass er falsch liegt?

„Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.“
– Friedrich Hebbel (deutsch-österreichischer Dramatiker und Lyriker; 1813-1863)

Wer sich auf andere Ansichten einlassen kann, zeigt nicht zuletzt, dass er über den eigenen Tellerrand hinaus blickt. Personen mit dieser Kompetenz sind fähig, kritisch zu denken und scheinbare Tatsachen zu hinterfragen. Es geht dabei nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Es geht darum, eine Diskussion reicher zu beenden, als man sie begonnen hat.

Und außerdem: man kann seine Meinung immer nochmal zurückändern, wenn man neue Informationen hat oder die scheinbar validen Argumente des anderen Diskutanten überprüft hat. Und dies führt mich zur ersten YouTube-Empfehlung:

YouTube-Empfehlung

Immer wieder finden sich zwischen den Bibis und Dagis dieser YouTube-Welt auch Video-Produzenten, deren Videos es wert sind, angesehen zu werden. (Ihr habt keine Ahnung, wer Bibi und Dagi Bee sind? Gratuliere nochmals.)

Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang den Kanal von „Der Doktorant“. In seinen Videos greift er häufig emotionalisierte und politisch instrumentalisierte Themen wie (im unteren Beispiel) Fake News, die Gender Pay Gap oder Feminismus auf und beleuchtet diese auf objektive und wissenschaftliche Weise. In anderen Videos nimmt er schonungslos Personen auseinander, die versuchen, durch besonders provokante Art und sachlich völlig unrichtige Argumente ein paar Klicks zu generieren.

Inhaltlich aufwändige, gut recherchierte, anspruchsvolle Videos, gepaart mit einer guten Portion Internet-Humor? Daugt mir!

Im unten angefügten Video geht es, wie bereits beschrieben um das Phänomen „Fake News“ und ob es dieses eigentlich so gibt, wie es im allgemeinen Diskurs immer verwendet wird. Der „Doktorant“ erklärt das Phänomen der „Cyber-Balkanisierung“ und geht zum Abschluss darauf ein, wie wichtig Medienkompetenz und die Fähigkeit zum vernünftigen Diskurs ist, um dieser entgegenzuwirken.

…und bevor mich jetzt jemand fragt: Auch ich schaff‘ es nicht immer zu akzeptieren, dass ich falsch liege. Ich halte es aber für edel und versuche, es jedes mal wieder zu versuchen.